Aussaat-Tipps und Jungpflanzenanzucht vom Hobbygärtner vs. Pflanzenprofi

Pflanzenprofi Eva aus der Gärtnerei

1) Saatgut: Woher bezieht ihr euer Saatgut, was nutzt ihr und was fällt dir sonst noch dazu ein?

Wir sind da wohl etwas speziell, denn wir produzieren so circa 80 Prozent eigenes Saatgut. Wir versuchen es möglichst viel, denn wir haben in unserer Gärtnerei um die 2500 verschiedene Arten und es ist sehr schwierig, von außerhalb ein so großes Sortiment zu kaufen. Des Weiteren ist es noch schwieriger Saatgut in Bio-Qualität zu erwerben.
Sachen, wie bestimmte Salate und Kräuter, bauen wir so viel an, dass wir dort auf jeden Fall hinzu kaufen müssen. Aber unsere 50 verschiedenen Basilikumsorten und 450 Tomatensorten nehmen wir aus eigenem Saatgut.

saatgut-schrank-oder-bank-in-der-gärtnerei

 

2) Pflanzsubstrat und Gefäß: Was nutzt ihr und hast du allgemeine Tipps?

Als Aussaaterde nutzen wir Torferde. In dieser sind nämlich keine Nährstoffe enthalten. Die Bezeichnung ist TKS 0, was für Torf Kultur Substrat 0 steht.

Also benutzt ihr Torf?

Ja, für die Aussaat. Ich habe mich ökologisch ziemlich lange damit befasst und wir verwenden jetzt nur noch 30 Prozent Torf in der Erde zum Umtopfen, aber für die Aussaat geht es tatsächlich nicht anders. Kokoshumus als alternative Variante ist ähnlich um- weltschädlich und die Jungpflanzen reagieren ganz empfindlich auf den oft hohen Salzgehalt. Dieser entsteht bei der Waschung des Materials, was häufig mit Salzwasser passiert.

Wenn es irgendwann mal eine vernünftige Aussaaterde gibt, dann bin ich sofort dabei und würde sie nutzen. Bei manchen Gemüsepflanzen können wir aber auch schon heute darauf verzichten. Die Tomaten wachsen auch gut in Holzfasersubstrat.

Ein weiterer Tipp ist, dass wir unser Saatgut nicht mit Sand oder Erde abdecken. Erde verschlammt die Samenkörnchen und durch Sand kommt wenig Licht und Luft. Wir decken es deshalb eigentlich nur noch mit Vermiculit ab. Dies ist lichtdurchlässig und die Keimrate ist auch höher.

Bei den Kräutern säen wir direkt in den Endtopf,
der aus recycelten Plastik ist. Salat kommt direkt in Erdpresstöpfe, also es sind keine Töpfe, sondern gepresste Erde. Die anderen Gemüsejungpflanzen und Blumen werden in Mehrfachplatten (120iger) gesät. Nach der Keimung, wenn sie dann etwas größer sind, werden sie dann in einen größeren und einzel- nen Topf umgepflanzt. Bei Tomaten kommt noch ein Schritt davor hinzu. Sie werden alle zusammen in eine Schale gesät, dann in die Platten pikiert und zuletzt in die einzelnen Töpfe gepflanzt.

junge-paprikapflanzen-frisch-getopft

3) Standort mit Beleuchtung und Temperatur: Wie sieht es aus mit dem Standort, der Beleuchtung und der Temperatur?

Wir sind ja ein Naturland-Biobetrieb und haben deshalb feste Vorschriften. Wir dürfen zum Beispiel nicht über 15 Grad heizen.
Es kann zwar etwas wärmer sein, da das Gewächshaus sich selber aufheizt, aber die Heizung steht auf 15 Grad.

Und das reicht für Tomaten, Chilis und andere wärme bedürftige Pflanzen?

Ja, aber unsere Sachen brauchen dann einfach etwas länger als bei anderen Betrieben.
Bei den Capsicum, also zum Beispiel Habaneros, wird die Keimungsphase mit einer Heizplatte unterstützt. Punktuell wird es dort wärmer, aber die Raumtemperatur beträgt trotzdem nicht mehr als 15 Grad. Außerdem beleuchten wir nicht zusätzlich. Durch das Gewächshaus kommt genügend Licht, denn es ist sehr UV-durchlässig. Es ist etwas anderes als eine Fenster- bank.

4) Weiteres Vorgehen: Düngt ihr dann die Pflanzen zum Beispiel später irgendwann und was passiert noch mit ihnen?

Ja, wie bereits erwähnt sind die Endtöpfe aufgedüngt. Dafür nutzen wir Hornspäne. Wenn es nicht warm genug ist (keine 18 Grad), sodass sich die Hornspäne nicht auflösen, düngen wir auch noch mit Flüssigdünger nach. Wir düngen aber lieber mit dem Hornmehl, da es eine Depotfunktion besitzt, weil es länger vorhält. Der Flüssigdünger greift schon nach ganz wenigen Tagen, dafür hält er aber auch nicht lange. Hornmehl hält dann schon zwei bis drei Wochen.

Hornspäne bringen doch Stickstoff in den Boden. Kann es dann nicht sein, dass man die Pflanzen damit überdüngt direkt nach dem Topfen?

Das ist mit biologischen Düngern sehr schwierig. Man bräuchte schon sehr viel Hornmehl, um zu überdüngen. Wenn man das Hornmehl, welches einen Stickstoffgehalt von circa 14 Prozent besitzt, mit konventionellem Dünger vergleicht, welcher circa 36 bis 40 Prozent Stickstoffgehalt aufweist, wird deutlich, dass es viel weniger ist. Hinzu kommt, dass es bei Hornmehl mindestens sieben Tage dauert, bis sich der Stickstoff löst, welcher dann auch noch von den Mikroorganismen für die Pflanzen zugänglich gemacht werden muss.

In unserer Erdenmischung ist auch Kompost enthalten für Kali und Phosphor. Da Phosphor ja nicht ausgewaschen wird reicht der Anteil aus dem Kompost.

Wie sieht es mit Schädlingen aus?

Im biologischen Anbau muss man sich damit mehr oder weniger arrangieren, zum Beispiel auch mit der Trauermücke. Hat man davon einen Befall, so sollte man weniger gießen und es eher kühl halten. Gelbtafeln sind das Sinnvollste, aber auch die Nematoden nützen etwas. An den Klebetafeln bleiben die adulten Schädlinge kleben, womit man die Populationen schon gut eindämmen kann.

tomaten-jungpflanzen-in-aussaatplatte
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